Ein weiterer Blog
Beiträge getaggt mit Afghanistan
Die Geister, die ich rief…
22. Mrz
Ein Reaktorgebäude in Japan, weißer Rauch steigt auf. Harter Schnitt auf ein Flugzeug, das brennend vom Himmel stürzt, Menschen schwenken Fahnen mit einem für unsere Augen unverhältnismäßig hohen Anteil an grün. Blutende Leichen. Demonstranten, die vor Wasserwerfern und Gummigeschossen wegrennen. Endlich: Unsere Nachrichten sind wieder so wie ein handelsüblicher Actionstreifen. Es wurde aber auch spätestens seit letztem Dienstag unerträglich öde auf ein schlecht zu erkennendes Kraftwerk zu starren, das sich standhaft weigerte, medienwirksam zu explodieren und die Umwelt für Generationen radioaktiv zu verseuchen. Das waren keine Bilder mehr, die uns das Blut in den Adern gefrieren ließ. Da musste was getan werden.
Die Krise in Japan ist zwar keineswegs ausgestanden, ganz im Gegenteil! Es ist in den Nachrichten und Sondersendungen nur alles zu ihr gesagt worden. Wir drohen das Interesse zu verlieren und den Sender zu wechseln. Aber das verhindert Libyen nun erfolgreich.
Eigentlich hatten wir das Thema schon abgeschrieben. Gaddafi schien die Opposition besiegt und sein Schlachten beendet zu haben, bevor sich die internationale Politik über ein gemeinsames militärisches Vorgehen gegen ihn verständigt hatte. Aber jetzt fliegen die Bomben und wir schauen gebannt auf unseren Bildschirmen im sicheren Zuhause zu. So eine zweite Chance bekommt kaum ein Thema in der Nachrichtenwelt.
In den arabischen Staaten ist nämlich die Demokratie ausgebrochen. Erst in Tunesien, dann in Ägypten und jetzt in Libyen fallen Regime wie Dominosteine und stoßen die wohl weitest reichende demokratische Bewegung los, die wir seit dem Untergang des Ostblocks erleben konnten. Bisher hinterließ das nur einen faden Beigeschmack in Bezug auf unsere Außenpolitik, deren höchste Prämisse nicht die Förderung gemeinsamer demokratischer Ideale und Handlungsweisen zu sein schien, sondern vielmehr eine wie auch immer geartete politische Stabilität in für uns wichtigen Regionen, was erkennen lässt, wie egoistisch und doppelzüngig wir uns gegenüber den Ländern, die wir gerne mit Massentourismus überziehen, verhalten.
Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen
14. Mrz
Titel: Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen
Autor/in: Siba Shakib
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 978-3-442-45515-7
Preis: 8,90 €
Erhältlich bei: Amazon
Siba Shakib lieferte immer wieder mit ihren preisgekrönten Dokumentationen, vor allem für die ARD, Belege für die verheerende Situation der Bevölkerung in Afghanistan. Bei einer ihrer zahlreichen Reisen durch das vom Krieg gebeutelte Land, begegnet sie in einem der Flüchtlingslager Shirin-Gol. Shirin-Gol erzählt auf eindrucksvoller und packender Art, ihren Leidensweg der vergangen Jahre. Sie erzählt von ihrem Leben, als die Russen einmarschierten und ihre Brüder und ihr Vater sich den Widerstandskämpfern der Mujahedin anschlossen. Wie ihre Schwestern alle Traditionen und Regeln brachen um sich den russischen Soldaten hin zu geben um diese anschliessend zu töten. Wie ihr Dorf zerstört wurde und sie nach Kabul flüchtete, wo sie eine russische Schule besuchte. Dort merkte sie schnell, wie viel reicher ihr Leben durch Bildung und Wissen wird. All dies soll ihr Kraft für alles was da noch kommen wird geben.
Rezension “Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen” weiterlesen…




