Am 7. März war es dann soweit und mein Tag auf der CeBIT sollte beginnen. In Hannover angekommen, ging es erst einmal zum Pressecenter um mich dort mit weiterem Informationsmaterial und dem Ausstellerverzeichnis zu versorgen.
Nachdem ich nun meine besagten Unterlagen zusammen hatte, machte ich mich auf den Weg zum Joomla!-Stand. Ich konnte schon vorher auf den Seiten von Mittwald die Baupläne des Standes sehen und fand das Design da schon sehr gelungen. Nun stand ich davor. Wirklich sehr schön geworden und schön offen. Aber zurück zu Joomla!. Da erspähte ich auch schon Jan Erik Zassenhaus. Er befand sich gerade in einem Beratungsgespräch und ließ sich Zeit für den interessierten Besucher. Ich habe mich dazu gestellt und dem Gespräch gelauscht. Jan hat das echt drauf! Ruhig gelassen, und auch die noch so simpelste Frage hat er beantwortet, ohne genervt zu erscheinen.
Nachdem der Besucher versorgt war, hatte er nun Zeit für mich und wir fingen an zu fachsimpeln. Jan und ich hatten uns schon lange nicht mehr gesehen und da verquatscht man sich sehr schnell ;-). Jan ist Mitgründer des Projektes jgerman.de und kümmert sich dort seit Oktober 2007 um die Core-Übersetzung von Joomla!.
Zusammen mit Christian Schmidt hat er das Projekt joomla-security.de ins Leben gerufen und beide
beschäftigten sich in diesem Projekt mit Sicherheitsfragen rund um Joomla!.
Überraschend gesellte sich Hagen Graf zu uns, der nebenan das Drupal-Team unterstützte. Hagen Graf ist Buchautor und hat unter anderem auch Bücher rund um Joomla! geschrieben und auch Video-Trainings produziert. Auch mit ihm kam ich ins Gespräch und man fachsimpelte so vor sich hin. Ich muss schon sagen, von dem Hagen Graf war ich sehr begeistert. Wie sagen wir hier so schön bei uns: Eine coole Sau! ;-).

Hier entstand dann auch die Idee, mal ein Interview mit Hagen für das Joomla!Magazin zu machen:

Hallo Hagen!
Beschreib dich doch mal in kurzen Sätzen selbst, für diejenigen, die dich noch nicht kennen.

Ich tue mich da immer etwas schwer, weil ich gern viel ausprobiere. Auf meinem Twitter-Account (twitter.com/hagengraf) steht consultant, author, trainer, solution finder, web architect, themer, developer, open source specialist, visionary, orator, the good old webmaster und irgendwie passt das auch alles. Ich habe mal eines der ersten Mambo- und Joomla-Bücher geschrieben und Videotrainings auf DVD aufgenommen.

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Hm, ich wollte mal ein Buch schreiben. Das war im Jahr 2002. Da ist dann ein Buch über den Apache Webserver herausgekommen.

Wenn du dich an ein neues Buch ranmachst, wie bereitest du dich vor?

Na so ein Thema liegt immer irgendwie in der Luft. Das nächste Projekt ist Going mobile with Joomla. Ich wollte das schon im letzten Herbst machen, bin dann aber nicht dazu gekommen. Als Vorbereitung setze ich mich einfach hin und probiere die Dinge aus. In diesem Fall ist als erstes ein Artikel entstanden, den ich im Joomla!Magazine veröffentlicht habe (Joomla and Smartphones). Als nächstes habe ich dann eine Präsentation über das Thema beim Joomladay New England und beim JoomlaDay Iran gehalten. Unterschiedlicher kann ein Publikum kaum sein :). Ich unterhalte mich dann mit vielen Leuten über das Thema und hangel mich so langsam an das Buch heran.

Ich habe dich ja erstmalig auf der CeBIT in real gesehen. Wie wichtig sind Messen für dich als Autor?

Auf der CeBIT war ich jetzt das erste Mal seit 1 0 Jahren wieder. Die Drupal-Initiative sprach mich an, ob ich Lust hätte. Ich habe dann gesehen, das Joomla! und Drupal nebeneinander bei der Firma Mittwald vertreten sind und dachte, «hey, Klasse». Messen und andere Events, zum Beispiel JoomlaDays finde ich sehr interessant, weil ich da mit den Leuten ins Gespräch komme.

In Deutschland ist ja eine heisse Diskussion über eine Reform des Urheberrechts im Gange. Wie stehst du als betroffener Autor dazu?

Ich habe mich da ausgeklinkt. Wenn irgendwo die Möglichkeit besteht eine Lizenz festzulegen wähle ich Creative Commons. Leute, die die Inhalte benutzen wollen, müssen dann auf den Ursprung verlinken und gut. Leider kopieren sehr viele die Inhalte einfach nur und setzen keinen Link. In diesem Fall hat mich jemand darauf hingewiesen und nach ein paar E-Mails von meiner Seite steht nun wenigstens ein Link auf den Original Inhalt. So richtig glücklich bin ich damit nicht, aber egal. Ich habe letztes Jahr beschlossen, meine Inhalte selbst zu verlegen und mich vom Verlag Addison-Wesley getrennt. Ich habe dadurch viel mehr Freiheiten und alles was ich produziere ist jetzt kostenlos auf unserer Website lesbar und als PDF oder MP4 downloadbar. Ich schreibe Bücher über Open Source Projekte und ich betrachte das als meinen Beitrag zur Weiterentwicklung dieser Projekte. Ich verkaufe die Bücher auch auf Amazon, Books on Demand und in Apples AppStore (Joomla! 2.5 Anfängerbuch, Joomla! Entwicklerbuch für Anfänger). Außerdem biete ich die Möglichkeit an, ein Buch zu sponsern, damit die Kosten teilweise gedeckt werden können. Leben kann ich davon leider nicht aber ich freue mich sehr über Feedback von den Lesern und Hörern. Momentan «verfilme» ich gerade das Buch (iTunes, Vimeo).

Das Internet bietet viele Möglichkeiten, gerade für Autoren der Direktvermarktung. Autoren können sich somit unabhängiger von Verlagen machen und sind auch viel flexibler. Wie siehst du das?

Das Internet ist noch nicht angekommen in Deutschland. Alles ist kompliziert und die Buchpreisbindung der Verlage macht die Sache auch nicht einfacher. Die in Deutschland
verfügbaren Angebote verhindern eher die Eigenveröffentlichung von Büchern. Ich probiere das
gerade ohne Verlag aus und sammle interessante Erfahrungen :). Ich habe einen Twitter-User, einen Facebook-Account und poste dort Dinge, die mich interessieren (ohne speziellen Marketing Plan). Der «offizielle» Kanal geht über unsere Website cocoate, den passenden Twitter-User und die Facebook-Fanpage. Dieses Interview ist auch eine Art der Vermarktung. Ich trenne nicht mehr zwischen Business und Privat. Ich bin der festen Ansicht das langfristige Geschäftsbeziehungen auf Freundschaft beruhen.

Dank Amazons Kindle und dem iPad von Apple, haben sich eBooks durchgesetzt. Was bevorzugst du lieber?

Wir haben ein iPad2 neben dem Bett liegen, das gehört meiner Frau :(. Mein iPhone hat meine jüngste Tochter und ich habe momentan ein Android HTC Wildfire ohne SIM card auf dem ich aber nicht wirklich lesen kann. Einen eBook Reader habe ich bisher nur bei Bekannten ausprobiert. Persönlich gefällt mir das iPad sehr gut. Da ich viel unterwegs bin, habe ich hin und her probiert ob ein iPad für mich als einziger Rechner reicht, aber irgendwie klappt das noch nicht. Daher benutze mein MacBookAir 11 Zoll als einzigen Rechner. Der ist immer in meinem Rucksack, erzieht zur Ordnung (128GB Festplatte :) ) und funktioniert wirklich super.

a) als Autor
Ich schreibe alle Texte bei uns auf der Website in einem WYSIWYG Editor in HTML. Sie sind dann sofort veröffentlicht mit allen Fehlern und Ungereimheiten. Dann baue ich solange daran herum bis es ok ist. Die Screenshots speichere ich auf Flickr. Da findest du auch 1 0.000 andere Fotos von mir/uns.

b) als Leser
Als Leser bevorzuge ich Online Quellen. Mit AdBlocker geht das ganz gut. Die Dinge, über die ich schreibe probiere ich aus. Solange bis es funktioniert. Meistens helfen da keine Bücher, weil es für diese Themen wenig oder gar nichts gibt. Computerbücher lese ich als PDF auf meinem Laptop. Aber ich kaufe mir auch viele Bücher. Gerade letzte Woche habe ich mir drei Bücher gekauft über Themen die nichts mit Computern zu tun haben.

Was hältst du von sozialen Netzwerken? (G+, FaceBook, Twitter etc.)

Weil mich viele kennen, bekomme ich oft Einladungen zu «der Sau, die gerade durchs Dorf getrieben wird». Ich melde mich dann auch meist tapfer an, damit der Name Hagen Graf vergeben ist. Nach schlechten Erfahrungen habe ich gelernt, das ich das tun muss …
Soziale Netzwerke an sich sind zunächst mal klasse und ich nutze sie auch gern und viel. Die Sache mit den Daten kann allerdings schnell zum Problem werden. Ich komme gerade aus dem Iran und dort sind beispielsweise Facebook und Twitter geblockt. Trotzdem gibt es 1 7.000.000 iranische Facebook User, die mit einer Antifiltersoftware arbeiten. Die Daten, die dort bei Facebook entstehen, sind bei entsprechendem Data Mining im wörtlichen Sinne lebensgefährlich. In Deutschland ist es nicht sooo gefährlich aber man sollte sich bei wirklich jedem öffentlichen Post im klaren sein, das dieser irgendwann mal gegen einen verwendet werden könnte.
Twitter: nutze ich viel und gern.
Facebook: nutze ich auch gern und viel.
Ich veröffentliche meine Tweets automatisiert auf Facebook. Alle «Experten» sagen, dass man das nicht tun soll, aber ich bin immer wieder überrascht wie unterschiedlich die Reaktionen sind. Facebook Freunde schreiben auch mal etwas mehr und wollen diskutieren.
Google+: Werde ich irgendwie nicht mit warm. Ich habe ganz viele Menschen in irgendwelchen Kreisen, aber mir ist das im Moment alles zu überladen. Ich komme auch mit dem zuordnen nicht so richtig klar und in letzter Zeit gibt es viel SPAM.
Foursquare: Ich checke gern ein :)
Diaspora: Toll, open source, alles klasse … aber irgendwie nix los :)

Liest du die Rezensionen zu deinen Büchern oder lässt du das lieber? Wenn ja, wie gehst du mit schlechten Rezensionen um?

Rezensionen sind schwer einzuschätzen. Verlage verschicken Rezensionsexemplare und “erwarten” eine positive Rezension. Ich habe auch schon erlebt, das die Konkurrenz schlechte Rezensionen in Auftrag gibt. Wenn ich Rezensionen finde, lese ich sie natürlich und versuche mit den Leuten Kontakt aufzunehmen. Ich lerne viel aus “ehrlichen” Rezensionen. Schlechte Rezensionen gibt es nicht. Es ist immer interessant zu lesen, was die Leser zu meinen Inhalten zu sagen haben. Manchmal merke ich bei Rezensionen, dass die Leute das Buch gar nicht gelesen haben, das ärgert mich dann schon.

In den letzten Jahren hat sich viel in unserer Welt verändert, gerade was das Internet und den technische Fortschritt angeht. Was ist für dich die wichtigste Errungenschaft und was die coolste / geilste?

Es gibt keine «wichtigste» Errungenschaft. Kreative Umgebungen sind wichtig und an denen mangelt es meiner Meinung überall. Ich sehe momentan eher so den «connecting the dots» Ansatz. Alles wichtige ist da, es wird nur kleiner, schneller, leichter verfügbar und besser
bedienbar – das gefällt mir.

Warum übersetzt du dein Buch in viele Sprachen?

joomla.org wendet sich an ein Englisch sprachiges Publikum. Daher habe ich beschlossen ein Buch zuerst in Englischer Sprache zu schreiben und dann auf Deutsch zu übersetzen. Weil ich die Bücher zum kostenlosen Download anbiete, erreichen sie unglaublich viele Menschen. Im letzten Jahr sind die Bücher mehr als 250.000 mal heruntergeladen worden. Ein solches Publikum erreicht mal niemals mit einem «klassischen Verlagsbuch». Viele Leser sprachen mich an, ob es eine Möglichkeit gibt, das Buch zu übersetzen. Da ich an keinen Verlag gebunden bin, ist das problemlos möglich und das Joomla 2.5 Einsteigerbuch ist jetzt in Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Russisch und Italienisch verfügbar. Übersetzungen in Portugiesisch, Dänisch, Chinesisch, Hindi und Farsi sind in Arbeit. Durch die verschiedenen Sprachen erreicht das Buch immer mehr Leser und Joomla wird immer bekannter und erreicht auch Zielgruppen, die bisher aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse keine Möglichkeit hatten, Joomla zu erlernen.

Vielen Dank für das Interview Hagen. Hast du noch ein paar letzte Worte für unsere Leser?

Drei Dinge:

  1. Meine Arbeit funktioniert nur interaktiv. Ich freue mich sehr über Kommentare auf unserer Website und jegliche Form von Feedback in Social Networks.
  2. Im Mai findet in Deutschland die internationale JandBeyond Konferenz und im Oktober 2012 der deutsche JoomlaDay in Berlin statt. Ich werde auf beiden Events sein und würde mich echt freuen, dort viel mehr Leser zu treffen.
  3. Um meine «Brötchen» zu verdienen, baue, hoste und pflege ich natürlich auch Joomla-Websites. Ich mache das oft mit den Kunden gemeinsam per Skype und/oder Teamviewer. Da lernen sie gleich, wie das geht mit ihrer Website :)