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Chris Orwig: Der inspirierende Augenblick

978-3-8273-2889-2Ein unerwartet anderes Fotobuch – und gut.

Homepages hochkarätiger Fotografen besuche ich nur äußerst unregelmäßig, obwohl Fotografie eins meiner größten Hobbys darstellt. Seit Jahren allerdings hat Chris Orwig (Homepage) einen Platz inmitten meiner Bookmarks. Seine Bilder sind nicht überragend kreativ, versprühen allerdings sehr viel Ehrlichkeit und besitzen die beeindruckende Fähigkeit Geschichten zu erzählen. Meist fröhlich und warmherzig, ab und an ruhig und melancholisch. Der Kalifornier ist bekannt dafür sein Wissen gerne weiter zu vermitteln. Er unterrichtet Fotografie am Brooks Institute in Santa Barbara und produzierte bereits eine Vielzahl an sehenswerten Video-Tutorials für Adobe Photoshop sowie für Photoshop Lightroom (unter anderem aufzurufen unter lynda.com).

Mit diesem Vorwissen war ich sehr gespannt auf Orwigs aktuelles Buch „Der inspirierende Augenblick“, im Original passender „Visual Poet“. Der 286 Seiten umfassende Band ist in drei Teile gegliedert. Der erste Abschnitt mit dem Titel „Einstieg“ behandelt nebst klassischen Themen der Fotografie auch poetische und philosophische Inhalte. Bereits auf den ersten Seiten bemerkt man den ungewohnt persönlichen Erzählstil Orwigs. Dieser Stil spiegelt seine Motivation, seine Aufgeschlossenheit und seinen Entdeckerdrang passend wieder. Viele seiner Anregungen zur Steigerung der Kreativität sind verbildlicht mit Anekdoten aus seinem eigenen Leben. Das Erzählte kann teilweise etwas kitschig rüberkommen, schön zu lesen ist es trotzdem.

Der zweite Teil der Veröffentlichung trägt den Namen „Das Abenteuer beginnt“. In diesem entscheidenden Kapitel behandelt Orwig verschiedene Arten der Fotografie, so zum Beispiel Portrait, Kinder und Familie, Hochzeiten, Reisefotografie, Action- und Outdooraufnahmen sowie Fundstücke, die aus dem Alltäglichen etwas Ungewöhnliches machen. Die Themenbereiche sind gleich strukturiert. Erneut greift Orwig in die Geschichtenkiste und präsentiert anhand eigener Erfahrungen wie und wo der Leser Inspiration schöpfen kann. Beispielsweise schlägt Orwig zu Beginn des Kapitels „Reisefotografie“ vor, Einheimische nach bekannten oder versteckten Sehenswürdigkeiten des Ortes zu befragen. Mit viel Überzeugung vermittelt er aber, dass die besten Bilder immer noch auf verlassenen, unausgetretenen Pfaden entstehen. Man sollte als Entdecker also auch die Seitengassen erkundschaften. Im Weiteren werden eine Vielzahl von Praxistipps zusammengetragen, die Orwig mit eigenen, stimmungsvollen Aufnahmen veranschaulicht und erklärt. Zum Ende dieser praxisorientierten Kapitel erhält der Leser Hinweise über eine der Situation angemessenen Ausrüstung. Ein weiterer Abschnitt „Übungsaufgaben“ enthält einige Anregungen und Ermunterungen um neue fotografische Fähigkeiten zu erlangen, auch hält er verschiedene Ressourcen und Links bereit.

Im dritten Teil des Buches „Wie geht es weiter?“ geht es zum Einen um die technischen Aspekte der Fotoausrüstung. Interessanterweise geht Orwig nicht auf moderne Kameratechnik ein. Vielmehr regt er das Nachdenken über Genügsamkeit und Bescheidenheit an. Brauche ich diese teure Kamera überhaupt? Oder reicht meine derzeitige als Arbeitswerkzeug? Nutze ich mein derzeitiges Modell nicht gerade deswegen, weil es mir schon so lange treue Dienste erweist? Damit ist der Inhalt dieses Kapitels erfreulich zeitlos verfasst – ohne auf marktorientierte Details einzugehen fasst Orwig trotzdem gut zusammen, wo man nicht sparen sollte (Objektive) und welche Hilfsmittel unabdingbar sind (Stativ, Kamerarucksack bei Wanderungen).

Ein weiterer, für mich positiv hervorzuhebender Bestandteil des Buches sind die Gastbeiträge, die jedes Unterkapitel abschließen. Diese Beiträge enthalten Fotografien erfolgreicher Fotografen sowie teils sehr interessante Befragungen zum Thema Inspiration und Arbeitsweisen.

Schlussendlich empfinde ich dieses Buch als außerordentlich unkonventionell und bereichernd. Chris Orwigs sympathischer und lockerer Erzählstil vermittelt viel über sein Leben und über seine Arbeit. Der Leser selbst wird angeregt nach weiterer Inspiration zu suchen und seine Fähigkeiten auszubauen. Vielleicht hängt man ja nun seine Kamera an einen Haken neben die Haustür – wie der Autor?

„Wenn ich mit meiner Kamera spazieren gehe, bestimme ich den Weg, aber sie zieht mich wie ein Hund in eine bestimmte Richtung. Ich verliere die Kontrolle über Raum und Zeit. Die Farben, Anblicke und Klänge beschleunigen meinen Schritt und ich werde vollends weggefegt.“ (Kapitel 10: Fundstücke, S.208)

Wer allerdings ein stark praxisorientiertes Werk mit vielen technischen Anleitungen erwartet, der sollte nicht zugreifen. Auch sollte man sich ein wenig auf den sehr persönlichen Erzählstil einlassen – das Buch wird nun einmal von einem lebensfrohen, surfbegeisterten, kalifornischen Fotografen verfasst – ich fand’s super!

Titel: Der inspirierende Augenblick: Ein kreativer Leitfaden
Autor/in: Chris Orwig
Verlag: Addison-Wesley
ISBN: 978-3-8273-2889-2
Preis: 39,80 €

Erhältlich bei: Amazon und Addison-Wesley

 
Von am 20.10.2010 | Aktualisiert am 8.05.2017
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Kategorien: Bücher
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